8. RETINALE 2026: Netzhautmedizin auf höchstem Niveau

Am 21. März 2026 wurde der Van Swieten Saal der Medizinischen Universität Wien erneut zum Treffpunkt der retinalen Expertise: Die 8. RETINALE bot ein hochkarätiges Fortbildungsprogramm mit aktuellen diagnostischen, therapeutischen und chirurgischen Themen rund um Netzhauterkrankungen.

Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Claudette Abela-Formanek, Prof. Dr. Michael Georgopoulos und Prof. Dr. Stefan Sacu präsentierten renommierte nationale und internationale Referent*innen praxisnahe Vorträge, interaktive Fallbesprechungen und eindrucksvolle OP-Videos. Der intensive fachliche Austausch und die rege Diskussion unterstrichen einmal mehr den Stellenwert der RETINALE als etablierte Plattform für Weiterbildung und Vernetzung in der Ophthalmologie.

Auch die begleitende Industrieausstellung stieß auf großes Interesse und bot den Teilnehmenden Gelegenheit, sich über innovative Entwicklungen im Fachgebiet zu informieren.

Die 8. RETINALE bestätigte damit eindrucksvoll ihren festen Platz im ophthalmologischen Fortbildungskalender.

Highlights

  • Hochkarätige nationale und internationale Referent*innen
  • Fokus auf Kinderophthalmologie, Netzhautchirurgie und kombinierte chirurgische Verfahren
  • Praxisnahe Vorträge, interaktive Fallpräsentationen und OP-Videos
  • Industrieausstellung mit innovativen Entwicklungen

Programmüberblick

Nach der Begrüßung und offiziellen Eröffnung startete die erste Sitzung, die sich den Themen Imaging, Diagnostik und Therapie widmete.

Den Auftakt machte Doz. Dr. Gregor Reiter (Augenklinik Wien) mit seinem Vortrag „nAMD: Biosimilars – was kommt?“, in dem er eine fundierte Übersicht über aktuelle Entwicklungen in der Therapie der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration gab. Besonders anschaulich stellte er die prinzipiellen Unterschiede zwischen Originalpräparaten, Generika und Biosimilars dar und illustrierte diese anhand ausgewählter Beispiele. In der anschließenden Diskussion wurde insbesondere die Problematik von Silikonölbläschen nach multiplen IVOM vertieft besprochen.

Im Anschluss präsentierte Prof. Dr. Eva Stifter (Augenklinik Wien) ein ROP-Update mit Fokus auf erwachsene Patient*innen, das spannende Einblicke in die Langzeitverläufe dieser Erkrankung bot. Sie betonte insbesondere die Notwendigkeit einer lebenslangen, regelmäßigen Nachsorge bei ehemals frühgeborenen Patient*innen.

Prof. Dr. Ulrich Spandau (Augenklinik Stockholm) sprach über die pädiatrische Netzhautablösung und zeigte anhand eindrucksvoller Fallbeispiele die besonderen diagnostischen und therapeutischen Herausforderungen bei Kindern. Dabei ging er unter anderem auf klare Indikationen zur Plombenchirurgie wie die Oradialyse ein, beleuchtete die speziellen Schwierigkeiten bei der Vitrektomie im Kindesalter – etwa bei Morbus Coats in einem Operationsvideo – und diskutierte Empfehlungen zur prophylaktischen Lasercerclage beim Stickler-Syndrom.

Alle Vorträge dieser ersten Session wurden von einer lebhaften und interessierten Diskussion mit dem Publikum begleitet, bevor die Teilnehmer*innen die erste Kaffeepause zum Besuch der Industrieausstellung nutzten.

Nach der Pause widmete sich die zweite Sitzung den aktuellen Entwicklungen in der vitreoretinalen Chirurgie.

Den Beginn machte Prof. Dr. Matthias Bolz (Augenklinik Linz) mit seinem Vortrag „Eminenz versus Evidenz in der Netzhautchirurgie“. Darin beleuchtete er kritisch die Rolle evidenzbasierter Medizin im Vergleich zu erfahrungsgeleiteten Entscheidungsprozessen bei Eingriffen wie der Ablatio retinae, Makulaforamen und submakulären Blutungen. Er zeigte den aktuellen Trend zum Einsatz von Methotrexat bei PVR-Ablatio, verwies hier auf Studien (GUARD Trial) und ergänzte diese durch eigene klinische Erfahrungen.

Prof. Dr. Martin Spitzer (Augenklinik Hamburg-Eppendorf) präsentierte in seinem Vortrag zur Traumachirurgie moderne chirurgische Strategien bei komplexen Augenverletzungen. Anhand eindrucksvoller Beispiele zeigte er unter anderem den Einsatz von Silikonöl-Retentionsnähten sowie den experimentellen Einsatz einer Verbandlinse bei einem komplizierten Fall. Abschließend betonte er eindrücklich die zentrale Bedeutung präventiver Maßnahmen.

Ein Update zur diabetischen Retinopathie wurde von Prof. Dr. Andreas Pollreisz (Augenklinik Wien) vorgestellt. Er ging auf aktuelle therapeutische Strategien und Entwicklungen ein und thematisierte insbesondere die Herausforderungen der Patient*innen-Compliance bei Anti-VEGF-Therapien. Dies wurde durch ein anschauliches Fallbeispiel mit Operationsvideo ergänzt und in der Diskussion kritisch reflektiert.

Die anschließende Mittagspause bot nicht nur ein ausgezeichnetes kulinarisches Angebot, sondern auch erneut Raum für intensiven fachlichen Austausch, persönliche Vernetzung und Besuch der Industrieausstellung.

In der dritten Session am frühen Nachmittag stand das Thema kombinierte chirurgische Verfahren im Fokus.

Doz. Dr. Domagoj Ivastinovic (Augenklinik Graz) sprach über die Kombinationschirurgie bei Makula-Interface-Erkrankungen und präsentierte praxisnahe Entscheidungsstrategien. Besonders hervorzuheben ist seine Beobachtung, dass bei epiretinaler Gliose in vielen Fällen zunächst eine alleinige Kataraktoperation ausreichend sein kann und ein sequenzielles Vorgehen häufig bessere funktionelle Ergebnisse erzielt.

Im Anschluss stellte Prof. Dr. Claudette Abela-Formanek (Augenklinik Wien) das chirurgische Management von Linsenabstürzen vor – ein Thema von hoher klinischer Relevanz. Sie differenzierte zwischen frühen und späten IOL-Dislokationen, Linsenabstürzen nach komplizierten Kataraktoperationen sowie traumatischen Ursachen. Anhand mehrerer Operationsvideos demonstrierte sie unterschiedliche chirurgische Techniken, darunter die 4-Point-Fixation, die Carlevale-intrasklerale Fixation sowie die Yamane-Technik.

Auch in dieser Sitzung wurde großer Wert auf Interaktion gelegt, und die vorgestellten Konzepte wurden intensiv mit dem Publikum diskutiert.

Den Abschluss der wissenschaftlichen Sitzungen bildeten – nach einer weiteren Pause mit Besuch der Industrieausstellung – die traditionellen interaktiven Fallpräsentationen mit Operationsvideos, die einen besonderen Höhepunkt der RETINALE darstellen.

Doz. Dr. Philipp Roberts (Klinik Landstraße Wien) präsentierte einen Fall von Prof. Dr. Boris Stanzel zum Einsatz von Methotrexat bei PVR-Amotio. Dabei wurde betont, dass ein äußerst sorgfältiger Umgang mit dieser potenziell hochtoxischen Substanz eine wesentliche Voraussetzung für den erfolgreichen therapeutischen Einsatz darstellt.

Es folgte ein eindrucksvoller Trauma-Fall von Prof. Spitzer zu einem schweren Silvesterunfall mit beidseitigen massiven Augenverletzungen.

Anschließend präsentierte Prof. Spandau einen „detektivischen“ Fall einer Endophthalmitis nach Plombenchirurgie, der chirurgische Risken anschaulich zeigte.

Den Abschluss bildete ein Operationsvideo einer Vitrektomie bei proliferativer diabetischer Retinopathie von Doz. Dr. Ivastinovic. Die einzelnen Operationsschritte wurden von allen Vortragenden kommentiert und mit ihren jeweiligen Erfahrungen ergänzt.

Diese interaktive Diskussion ermöglichte einen besonders intensiven Erfahrungsaustausch zwischen den Chirurg*innen und zeigte sowohl unterschiedliche Herangehensweisen als auch gemeinsame Strategien im Umgang mit komplexen klinischen Situationen.

Abschluss und Ausblick

Mit einem durchwegs positiven Echo endete die 8. RETINALE am 21. März 2026 um 17:00 Uhr. Die Veranstaltung überzeugte einmal mehr durch ihre hohe wissenschaftliche Qualität, ihre ausgeprägte Praxisrelevanz und eine offene, kollegiale Diskussionskultur, die den fachlichen Austausch auf hohem Niveau förderte.

Die begleitende Industrieausstellung stellte auch in diesem Jahr einen wesentlichen Bestandteil des Kongresses dar. Dreizehn Unternehmen präsentierten aktuelle Innovationen und boten den Teilnehmer*innen wertvolle Einblicke in neue Entwicklungen der Netzhautmedizin. Allen beteiligten Firmen sei für ihre Unterstützung und ihre informativen Beiträge herzlich gedankt.

Ebenso gilt unser besonderer Dank allen Referent*innen für ihre hervorragenden Präsentationen sowie allen Teilnehmer*innen für ihr großes Interesse und ihre engagierte Mitwirkung.

Nach einer inhaltlich wie atmosphärisch äußerst gelungenen 8. RETINALE darf der Ausblick nicht fehlen:

Die 9. RETINALE ist bereits in Vorbereitung und wird am Samstag, dem 10. April 2027, stattfinden. Wir freuen uns schon jetzt auf Ihre Teilnahme!